Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 20. Mai 2012:
Losungstext:
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Psalm 50,23
Lehrtext:
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
1.Korinther 15,57

Wallenbrück und Schwanebeck

Dies Bild zeigt die Wallenbrücker Bläser

Gerd Heining hat über die Geschichte der Partnerschaft zwischen Schwanebeck und Wallenrück geschrieben .... und er weist auf eine Veranstaltung im Jahr 2010 hin.

 

 

 

 

Wallenbrück / Schwanebeck – eine ganze Generation Freundschaft

 

Es war einmal …  Die 30jährige Beziehung zwischen der brandenburgischen und der westfälischen Gemeinde mutet viele Beteiligte märchenmäßig an.

 

Wie begann es? Kurz vor 1980 war Gottfried Stornowski mit seiner Familie aus Magdeburg in das alte Pfarrhaus der Kirchengemeinde Schwanebeck an der Dorfstraße Nr.8 gezogen. Gottfried war als juristischer Oberkirchenrat Mitglied der brandenburgischen Kirchenleitung geworden und sollte deshalb in deren Gebiet wohnen. Seine Frau übernahm bald den kirchlichen Unterricht, die „Christenlehre.

 

In den Dokumenten der Kirchengemeinde entdeckte Gottfried, dass schon seit Anfang der 50er Jahre eine Verbindung zwischen Schwanebeck und Wallenbrück bestand. Damals hatten die westdeutschen Landeskirchen ihren Gemeinden Kontakte zu den Gemeinden ihrer Partnerkirchen im Osten „verordnet“. So wurden auch Wallenbrück und Schwanebeck zusammengespannt. Lange Zeit tat sich jedoch nichts. Bis eben Gottfried die nominelle Beziehung in den Gemeindeakten entdeckte. Er bat den Schwanebecker Pastor Wetzel, dem Wallenbrücker Pastor Moritz einen Brief mit der Bitte um näheren Kontakt zu schreiben. Die wenigen, ersten Informationen in dem Brief über die Gemeinde Schwanebeckveranlassten Walter Moritz zu einer trefflichen Idee: dort Posaunenchor – hier Posaunenchor, das kann was werden! Brief hin, Brief her von Chor zu Chor. Bald wurde eine persönliche Begegnung vereinbart. Sie war in jenen Zeiten nur in der Richtung von Westen nach Osten möglich. Annemarie Nienaber-Kreft , Dirk „Putzi“ Greimann und Gerhard Heining mit Klein-Sonja machten sich auf den Weg. Bei Verwandten in der Deidesheimer Straße in West-Berlin konnte übernachtet werden. Von dort war die „einreise in die Hauptstadt der DDR“ – für uns Ostberlin- mit einem Tagesvisum über den Bahnhof „Friedrichstraße“ möglich. Gottfried Stornowski wollte dort auf uns warten. Wie ihn aber erkennen? Ganz einfach: bärtiger Mann mit Trompetenkoffer unter dem Arm! Die Verabredung glückte. Unser Partner schlug uns sogleich eine Verletzung der Einreisebestimmungen vor. Er lud uns ein, das Ostberliner Gebiet, für dieses war das Visum nur gültig, zu verlassen und mit nach Schwanebeck zu kommen. Die  bisher erlebten strengen Grenzkontrollen vor Augen gab Annemarie nur sehr zögerlich ihre Zustimmung. Und der Nervenkitzel reizte …

 

Es traf sich gut, dass gerade der Posaunenchor – Übungsabend war. Aus dem Üben wurde dann nicht viel. Der berühmte Funke sprang gleich über. Wir fühlten uns in dem Ambiente mit Instrumenten und vertrauter Notenliteratur zu Hause. Wechselweise wurden auch überraschende Erfahrungen gemacht. Für uns war es – damals in unserem Gemeindehaus noch unvorstellbar- die Bierflasche am Notenständer. Für die Bläserfreunde, als sich herausstellte, dass sie es mit zwei Lehrern zu tun hatten: „Nee, det giebt et nich! Gleich zwee Lehrer im Posaunenchor!!“ Und wir konnten noch auf einen dritten Lehrer im Chor verweisen. Lehrer waren in der DDR Stützen des Systems. Unmöglich deshalb ein kirchliches Engagement.

Nachdem einige konkrete Verabredungen für den Besuch einer Bläsergruppe getroffen waren, sahen wir zu, dass wir vor 24 Uhr wieder West-Berlin erreichten.

 

Vor der Wende waren die Besuche in einem umständlichen Genehmigungsverfahren mit langen Fristen verbunden. Trotzdem fanden sich viele Posaunenchörler zum alljährlichen Sommerfest am ersten Septemberwochenende an der Dorfkirche in Schwanebeck ein.

Erste Frage unter den nach und nach eintrudelnden Westesuchern: „Wie seid ihr durchgekommen?“ Die Beklemmungen während der Grenzkontrollen in Marienborn und Drewitz wurden sogar gelegentlich von guten Wünschen „fürs Gartenfest“ von dem ein oder anderen Grenzbeamten gemildert.

 

Aus den Chorkontakten erwuchsen intensive Familienfreundschaften, in denen Freud und Leid geteilt und getragen wurden. Und kaum war die Mauer gefallen, hörte man am Sonntagmorgen vor der Kirche in Wallenbrück nach dem Gottesdienst das Wende-Wort „Waaahnsinn!“ vielstimmig original schwanebecksch. Leider konnte Gottfried Stornowski die bewegenden Ereignisse um den Fall der Mauer, die ja durch seine Initiative ein Stückchen weit auf der Gemeindeebene vorweggenommen wurden, nicht mehr mitgestalten. Er starb im Jahre 1985 drei Tage vor Weihnachten an einem Gehirntumor.

 

Über die Posaunenchöre hinaus wurden vielfältige Fäden geknüpft. Pastor Moritz fuhr immer wieder mit Gruppen hin. Zwischen den Jugendlichen der Gemeinden entstanden „Schokoladenfreundschaften“. Die Feuerwehren wurden Partner, die Löschgruppe Wallenbrück pflegt bis heute Besuch und Gegenbesuch. Stadtdirektor Hemminghaus nahm auf Anregung von Gemeinderatsmitglied Gisela Stornowski Gespräche mit Kommunalvertreten auf und gab gute Ratschläge für den Aufbau der Verwaltungsstrukturen.

Manche Kontaktversuche führten leider nicht zum Erfolg, so im Schulbereich und zwischen Gartenbauverein und Heimatvereinen. Auch die eine zeitlang diskutierte Kommunalpartnerschaft kam nicht zustande. Immerhin hat Spenge aber eine Schwanebecker Straße und im Festumzug zur 950-Jahrfeier von Schwanebeck sorgten die Laubfrösche aus Bardüttingdorf für Aufsehen.

 

Inzwischen ist es schwieriger geworden, Gruppenreisen nach Schwanebeck zu organisieren. Aber das liegt gerade an den florierenden persönlichen Beziehungen. „Gemeindefest?“ „Ja, aber wir sind gerade bei x zum Geburtstag gewesen.“ Oder: „y hat Ende September Silberhochzeit. Dann fahren wir hin.“

 

Wie wird es in diesem Jahr? Ein 30jähriges Jubiläum und die Nähe zu Hauptstadtattraktionen lassen wieder eine interessante Fahrt erwarten. Eine offizielle Einladung der Gemeinde Schwanebeck wird in Kürze in Wallenbrück eintreffen.