Beschreibung der PaulusKirche

Wenn man über Land fährt ...
und sich Lenzinghausen nähert, dann fällt schon von weitem der schlichte Turm der Pauluskirche auf.
Bei einer Höhe von gut 30 m bleibt er in einem bescheidenen Maß, aber die Lage auf einer Erhebung des Ravensberger Hügellandes macht ihn weit sichtbar.
Auch nachts ist der Turm nicht zu übersehen, eine außen angebrachte Beleuchtung zeigt den oberen Teil mit den Schallgittern.
Das Kirchenschiff ist einfach gestaltet, es ist sechseckig, was kaum zu sehen ist, wenn man davor steht.
Das Äußere unserer Kirche ist schlicht bis auf die Eingangstür und die Fenster, die erst von innen richtig zu sehen sind.
Das Innere unserer Kirche ist protestantisch schlicht wie das Äußere, es stecken aber erstaunlich viele Gestaltungselemente darin, von denen man wissen muss, um die eigene Kirche wirklich zu kennen.
Als Hilfe dazu ist diese kleine Schrift entstanden, man sollte einfach durch die Kirche gehen und den Text mit den Bildern der Wirklichkeit ergänzen. Das Wort Gottes steht bei evangelischen Gemeinden im Zentrum der Verkündigung; es ist nicht an einen Ort gebunden, der Geist Gottes weht überall, aber der Mittelpunkt einer Gemeinde ist einfach eine Kirche.
Kirchen sind immer wieder gebaut worden. Ihre Gestaltung folgt Regeln, die seit Jahrhunderten gültig sind.
Nach dem 2. Weltkrieg sind viele Kirchen neu gebaut worden, bei denen neue Formen entwickelt wurden, die nicht unbedingt dem traditionellen Kirchenbau entsprachen.
In all diesen Kirchen stecken eine Menge von neuen Ideen, wobei alte Traditionen mit neuen Entwicklungen verknüpft wurden. Dies ist bei unserer Pauluskirche nicht anders.
Pastor Steffen war der erste Pfarrer unseres Gemeindebezirkes. Er hatte die wohl einmalige Aufgabe, Planung und Bau der Kirche zu begleiten. Und er kennt natürlich alle Details der Gestaltung aus erster Hand.
So ist es naheliegend, ihn zu Wort kommen zu lassen, um all die Gedanken zu formulieren, die der Gestalt unserer Kirche zugrunde liegen.
Wolfgang Lange
Weiter unten auf dieser Seite ist die Beschreibung der Pauluskirche zu finden. Durch einen Klick auf den folgenden Namen kann eine Broschüre aus dem Jahr 2002 herunterladen werden, die aus Anlass des 40. Kirchweihfestes entstand.
Text von Pastor Steffen

Groß, erhaben, einladend und doch auch als Richter ernst zur Entscheidung drängend, so steht Er da an der Altarwand, alle Blicke auf sich ziehend.
Pastor Steffen
Text von Pastor Steffen
Im Jahre 2002
Beschreibung unserer Pauluskirche
Jede christliche Kirche, auch die Pauluskirche in Lenzinghausen, erzählt vom Glauben, hält gewissermaßen eine Predigt für den, der Gebäude und Inventar instinktiv oder bewusst wahrnimmt.
Das ist der Sinn der folgenden Erläuterungen:
Verständnis wecken oder vertiefen für das Haus Gottes mit seiner stummen und doch vernehmbaren Verkündigung.
Beginnen wir mit dem Grundriss. Fast alle Kirchen aus alter Zeit sind geostet, durch den Hauptzugang im Westen geht der Weg zum Altar im Osten.
So in Spenge und so auch bei dem Neubau in Lenzinghausen. Die Ausrichtung kann sich die Kirche nicht aussuchen, sie ist nicht beliebig, sondern ist durch Christus vorgegeben: Wir kom-men vom Westen, der Richtung des Sonnenuntergangs und der Finsternis, aber wir dürfen und wollen nach Osten, der Richtung des österlichen Sonnenaufgangs und des Lichtes.
Der Osten heißt auch Orient.
Die Kirche hat eine klare Orientierung. Beim Gang in die Kirche suchen wir Orientierung, wir richten uns neu aus zum Licht, zum Leben durch Christus.
Die Eingangstür im Westen: Zwei Bilder der Bronzetür betonen ihre Zusammengehörigkeit durch einen vollkommen gleichen Aufbau: Adam und Eva entsprechen Maria und Johannes, der Baum des Paradieses entspricht dem Fluchholz der Kreuzigung, die Schlange dem geopferten Gottessohn.
In beiden Bildern können wir uns wiedererkennen: Ich bin Adam oder Eva, ich bin Maria oder Johannes unter dem Kreuz, ich bin Sünder, ich bin begnadigt. So hat der Apostel Paulus es im Römerbrief (5, 12 - 19) beschrieben. Nach ihm ist die Kirche benannt, er war der bedeutendste Apostel der äußeren Mission. (Das Wichernhaus heißt so nach dem Begründer der inneren Mission). Auf Paulus weist auch der Türgriff in der Form eines Schwertes hin, denn er hat nicht nur mit Worten für Christus gewirkt, sondern auch durch seine Lebenshingabe als Märtyrer.
Insgesamt sagt die Eingangstür: Sünder und Leidende, aus dem Paradies Vertriebene, in Finsternis lebende, auch um Christi Willen leidende sind hier willkommen, finden hier eine offene Tür - alles durch den Gekreuzigten.
So geht man hinein: Zuerst noch durch einen engen Raum - wie zuhause -, dann durch eine weitere Tür in einen hohen, lichten, weiten Raum.
Das bedeutet: Aufatmen, Befreiung, hier sollen mir Lasten abgenommen oder erleichtert werden. Hier sollte eigentlich der Taufstein stehen; denn die Taufe steht ja am Beginn des Christenweges vom Westen nach Osten. In einigen alten Kirchen hat er auch dort seinen Platz behalten. Nur aus praktischen Gründen steht er im Altarraum, so dass die Gemeinde besser an der Taufhandlung teilnehmen kann. Immerhin befindet sich die Taufkammer, in der sich Täufling, Eltern und Paten versammeln können, im Eingangsbereich der Kirche.
Die drei kleinen Fenster in der Taufkammer sollen sie auf die Taufe vorbereiten. Da wird die Sintflutgeschichte erzählt. So wie dort alles Sündige im Wasser untergeht und der gnädige Gott doch einen Neuanfang ermöglicht, so wird in der Taufe die Verkettung an die Sünde aufgehoben und ein Leben mit Gott begonnen. Die Taube aus der Arche mit dem grünen Ölblatt (1. Mose 8, 10 und 11) mag an den guten Geist Gottes erinnern, der in der Taufe verheißen ist zum Schutz gegen alle Geister der Versuchung, der Traurigkeit, der Verzweiflung und was sonst an Geistern uns das Leben schwer machen kann.
Dann zieht es den Blick nach vorn, nach Osten, zum Altar, zum Tisch, an dem Christus seine Familie, die Kinder Gottes, versammelt zum Essen und Trinken, zum Abendmahl, und wie auch in den Wohnungen gemeinsames Essen und Trinken Gemeinschaft schafft und erhält, so wird auch durch das Abendmahl die Gemeinde in ihrem Zusammenhalt gefestigt, weil sich alle in gleicher Weise mit dem gemeinsamen Herrn und Gastgeber verbinden.
Man spricht vom Altarraum, der sich durch eine Stufe vom Kirchenschiff abhebt. Denn ganz richtig im Osten, im Licht, wird ja die Gemeinde im hochzeitlichen großen Abendmahl mit dem Bräutigam, Christus, vereinigt.
Das ist das eigentliche Ziel allen Lebens, aller Wege von West nach Ost, dahin wollen wir. Unser irdisches Abendmahl ist Vorgeschmack, Anzahlung, Ahnung, Vorwegnahme.
In alter Zeit nannte man das Abendmahl ein "pharmakon athanasias", ein Medikament der Unsterblichkeit. Wer nach dem Sinn seines Lebens fragt, ist hier an der verheißungsvollsten Stelle.
In manchen großen Domen stehen beeindruckende Bronze-leuchter mit sieben Armen (z.B. in Braunschweig), Menoraleuchter wie in Synagogen. Darin kommt die Wertschätzung des ersten Gottesvolkes, unserer älteren Schwester, zum Ausdruck. Das Neue Testament fußt auf dem Alten Testament. Jesus war Jude. In kleineren, bescheideneren Kirchen stehen 2 Leuchter auf dem Altar:
Das Licht kommt sowohl aus dem Alten, wie aus dem Neuen Testament, aus Gesetz und Evangelium.
In der Pauluskirche stehen 6 Leuchter zur Verfügung, dazu in der Mitte das Kreuz mit dem Osterlamm, Christus mit der Siegesfahne als das Licht der Welt. Also auch 7 Lichter wie am Menoraleuchter, und doch anders, christusbezogen.
Groß, erhaben, einladend und doch auch als Richter ernst zur Entscheidung drängend, so steht Er da an der Altarwand, alle Blicke auf sich ziehend. Dieses großartige Werk konnte aus finanziellen Gründen nicht gleich mit dem Kirchbau geschaffen werden, war aber von Anfang an als Thema und in der Art der Darstellung (die 10 Jungfrauen - Matth. 2.5 - angedeutet nur durch die erloschenen und die leuchtenden Lampen) mit Herrn Scholz, Herford, verabredet, dem Künstler, der auch die Eingangstür, alle Fenster, die Leuchte, das Altarkreuz und den Christuskopf in der Sakristei entworfen hat, alles mit viel Hingabe und nach gründlichem Bedenken der entsprechenden biblischen Texte.
In fast allen, alten wie neuen Kirchen befindet sich die Sakris-tei als Anbau neben dem Altarraum.
In der Pauluskirche ist das anders: Sakristei im Eingangsbereich, gegenüber der Taufkammer. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass der Pfarrer zwar eine besondere Funktion in der Gemeinde hat, aber auch nur Glied unter Gemeindegliedern ist.
In alten Zeiten war die Geistlichkeit oft durch einen Lettner, eine Wand oder Säulenreihe, vom Volk getrennt. Auf der einen Seite die außer-gewöhnlichen Christen, nahe am Altar und damit nach damaliger Meinung näher bei Gott, auf der andern Seite die gewöhnlichen Christen. Die beiden Gruppen konnten sich oftmals nicht einmal sehen. Die gänzlich andere Auffassung sollte beim Kirchneubau auch baulich berücksichtigt werden. Alle gehen durch die gleiche eine Tür (Johannesevang. 10,9), alle auf dem gleichen Weg von West nach Ost.
Auch der Eindruck einer Bühne mit dem Auftritt von der Seite her sollte vermieden werden. Die Sakristei gegenüber der Taufkammer dient wie diese der Vorbereitung. Egal wo man steht in der Sakristei, immer blicken dich die Augen des Christuskopfes an und fragen: Was hast du heute vor? Mach dich klein und nicht zum Mittelpunkt. Und die drei kleinen Fenster mit der Geschichte von der Speisung der 5000 (Matth. 14,13ff.) erinnern: Gib ihnen nicht Steine, gib ihnen Brot, die Hungrigen sollen satt werden, jeder, jede soll etwas mitnehmen nach Hause.
Noch einmal zum Grundriss. Bisher war immer die Rede von der Ausrichtung, vom Weg von Westen nach Osten. Das ist der 1. Grundgedanke, der in der Spenger Kirche noch stärker ausgeprägt ist: Der Raum ist lang und sehr schmal, wie in 2 Marschsäulen sitzen die Gottesdienstbesucher in den kurzen Bänken. Gottes Volk auf dem Marsch durch die Wüste in das gelobte Land, durch die Zeiten hin zur großen Ewigkeit. Und nun der andere Grundgedanke: Gottes Volk rastet, feiert, versammelt sich rund um den Tisch zum Mahl wie eine große Familie, im Halb- oder sogar im Dreiviertelkreis.
In der Spenger Kirche ist das durch die beiden Querschiffe angedeutet, die dann den kreuzförmigen Grundriss ergeben. Da mit den heutigen technischen Mitteln eine größere Dachbreite machbar ist, sollte die Pauluskirche nicht lang und schmal werden, sondern - in Abwandlung der Kreisform - ein Vieleck als Grundriss erhalten. DerArchitekt, Herr Breitenkamp aus Bünde, kam nach vielen Skizzen zu einem Sechseck. Ein erster Entwurf, der kürzer, aber noch breiter war als der jetzige Bau, hätte die Bänke in einem viel kleineren Winkel zueinander aufgestellt, also den Gedanken "Familie Gottes um den Tisch herum" stärker ausgedrückt.
Nach der Ablehnung durch das kirchliche Bauamt wegen zu hoher Kosten entstand als Kompromiss der Entwurf zum heutigen Bau.
So ist zwar abgeschwächt, aber immer noch sicht- und spürbar, der 2. Grundgedanke verwirklicht: Gottes Volk sucht und findet im Hause Gottes Stärkung durch Gemeinschaft, Gebet und Mahl. Im Zeitalter der Vereinzelung und Vereinsamung sollten es Bänke sein, auf denen man auch zusammenrücken kann, nicht Stühle, auf denen jeder als Einzelner sitzt.
Nun bleiben noch die Fenster an der Südseite, die in ihrer ästhetischen Schönheit und inhaltlichen Aussage eine ausdauernde und stille Betrachtung verdienen.
Als Themen für die 7 Fenster wählten, wir die Wochen-Gebets-ordnung, die auch im damaligen Gesangbuch (ab Seite 1031) schon vorgeschlagen war und im heutigen Gesangbuch auf Seite 1421 beginnt. Zur Geschlossenheit und Ruhe der Gesamt–Fensterseite trägt das immer gleiche Grundmuster in Himmels- und Lichtfarben bei.
In dieses Grundmuster hinein sind medaillonartig 7 Bilder in aufsteigender Linie gesetzt, in einer Gegenbewegung zur absteigenden, fallenden Dachlinie:
1. Bild: Engel am Grabe, Ostern, das größte Bild. Mit Ostern fang alles an, auch die Woche mit dem Gottesdienst. Dass wir nicht so bleiben, wie wir sind, dass nicht alles so bleibt, wie es ist, das wird durch Ostern denkbar und möglich. In einer gefallenen Welt, als gefallene Menschen immer wieder aufstehen, auferstehen, heute, jetzt, - wer das erlebt, kann auch an die Auferstehung am Ende glauben. Das Siegel am Stein (Matth.27, 62 - 66) ist zerbrochen, die Endgültigkeit des Todes, die Vergeblichkeit des irdischen Lebens ist damit zerbrochen. Es gibt Leben vor und nach dem Tod, es gibt Sinn. Jeder Sonntag ein Klein-Ostern, ein Fest.
2. Bild: Sämann auf dem vierfachen Ackerfeld (Matth. 13) als Bild für die Arbeit, die am Montag beginnt. Nicht alles bringt Frucht aber es gibt doch Frucht der Arbeit. Mit einem runden Schwung
wirft er den Samen aufs Land - Freude auf den erwarteten Segen.
Dies Bild ländlicher Arbeit steht in Höhe der Kanzel. Auch da wird Samen ausgestreut, der Frucht bringen wird.
3. Bild: Michaels Kampf mit dem Drachen (Offenbarung 12,7ff.). Die Bezeichnung "Dienstag" hat nichts mit Dienst zu tun, sondern leitet sich her vom germanischen Kriegsgott Ziu. Als die kriegsgewohnten Germanen Christen wurden, gefiel ihnen der Kämpfer Michael ganz besonders, sie wollten es ihm gleichtun und gegen das Böse, gegen den Bösen in sich und in der Welt kämpfen in einem geistlichen Kampf. So kam es zum kämpferischen (nicht schläfrigen!) deutschen Michel. Wir bitten um Beistand der Engel in unsern täglichen Kämpfen.
4. Bild: Der verletzliche Mensch und sein Helfer, der barmherzige Samariter (Lukas 10, ab Vers 25), der sich bückt und tut, was er kann und damit Gottes Willen erfüllt in der Nächstenliebe. Es gibt vielerlei Wunden, viele leiden, hier bei uns und in der Welt.
Caritas, Diakonie, Misereor, Brot für die Welt, Nachbarschaftshilfe - der Mittwoch, ist die Mitte der Woche, die Liebe ist die Mitte des christlichen Glaubens. In dem Bild dominieren die Farben Grün (Farbe der Hoffnung) und Violett (Farbe des Verzichtes). Die Liebe ist die Hoffnung der Leidenden, aber diese Liebe ist nicht möglich ohne Verzicht.
5. Bild: Donnerstag - Gründonnerstag - Abendmahl Jesu mit den Seinen, jeder ist anders, auch Judas mit dem Geldbeutel ist dabei. Auch heute sind unsere Gemeinschaften in Häusern und Gemeinden nicht einheitlich, jeder ist einmalig und anders als andere. So ergeben sich Unterschiede, Missverständnisse, Unstimmigkeiten, Konflikte bis hin zu Zerwürfnissen und Trennungen bei einzelnen Menschen und ebenso zwischen Kirchen. Einheit in der Verschiedenheit - das ist wohl die Lösung. Aber sie erfordert mehr als nur Toleranz, fordert die Geduld Jesu und die Fähigkeit, das eigene Ungenügen vor sich und ändern einzugestehen. Gebet um Gemeinschaft über alle Gräben hinweg.
6. Bild: Freitag - Karfreitag - Jesus am Kreuz. Es war die Frage, ob Jesus mehr als der große Schmerzensmann dargestellt werden sollte, der er ja war bei dieser grausamen Tötungsmethode. So wurde er in der Zeit der Gotik realistisch und mitleidweckend gemalt
und geschnitzt. Oder ob der Sieger - es ist vollbracht - in großer Überlegenheit nach allem Kampf, der er ja auch war, darzustellen sei. Zwei unterschiedliche Bilder, beide legitim. Entscheidend war ein seelsorgerlicher Grund:
Christen, die ihr Kreuz Jesus nachtragen, können sich an den Starken anlehnen - dein Kreuz ist unser Trost - dein Kampf ist unser Sieg - und Hoffnung schöpfen. So ist er auf dem Freitagsbild in ruhiger Körperhaltung, nicht mehr schmerz-verzerrt, zu sehen mit einer Andeutung einer Krone auf seinem Kopf. So sah ihn mancher Künstler zur Zeit der Romanik. Bitte um Stand-halten, um Überwindung im Leiden.
7. Bild: Sonnabend, der letzte Tag der Woche. Was ist das letzte?
Die christliche Antwort: Nicht Untergang, sondern Vollendung, das himmlische Jerusalem mit seinen 12 Toren (Offenb. 21). Dies Bild ist in der Reihe das höchste, vom Thema her eigentlich zu hoch für unser Begreifen und Darstellen. Vielleicht ist es deshalb in der Reihe eher blass und etwas abstrakt. Wir können uns eben den Himmel, die Ewigkeit nicht in Wahrheit vorstellen und ausmalen.
Die Perlentore und goldenen Gassen sind eben auch nur Versuche, das Unsagbare zu sagen. Aber soviel ist doch deutlich und tröstlich: Die 12 Tore weisen in alle Richtungen. Man kann sich also Gott und damit dem Himmel von verschiedenen Seiten nähern. Jesus hat gesagt: In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wer selbst nur aus Gnade hinein möchte, kann andern schlecht das Wohnrecht absprechen.
Sieben Bilder, nicht nur ein Weg durch die Woche, sondern zugleich Anlass zu immer neuem Nachdenken, zu immer neuen Erkenntnissen.
Eine private Meinung sei mir noch erlaubt: Ich finde den Kirchturm schön. Er nimmt die Sechseckform der Kirche auf und hat dadurch keine rechtwinkligen, aber interessante Kanten bis obenhin. Er ist auch weithin zu sehen und gibt dem Dorf einen Akzent und Mittelpunkt. Trotzdem hätte ich gern auf ihn verzichtet und an seiner Stelle einen kleinen Glockenständer gewünscht, der nur ein Viertel der Kosten verursacht hätte. Wichtiger als ein Turm wäre mir eine größere Orgel gewesen - Lob Gottes - Auch die Orgel konnte aus Geldmangel erst mit Verspätung bestellt werden. Außerdem erscheint mir immer noch Abendmahlgerät wichtiger als ein Turm. Aus Achtung vor der Gabe Gottes im Abendmahl hätte ich lieber die Geräte bei einem Goldschmied anfertigen lassen, wie es frühere Generationen getan haben, statt Stücke aus maschineller Serie zu verwenden. (Natürlich weiß ich auch, dass die Gabe Gottes durch ein geringes Gefäß nicht geringer wird.) Aber ich denke auch jetzt noch, dass die Erneuerung der Kirche von innen, von ganz innen her geschehen muss, nicht durch öffentlichen Anspruch. Auch wenn der Bau natürlich so bleibt wie er jetzt ist, so lohnt sich vielleicht doch ein Nachdenken über die Verwendung kirchlicher Gelder und über Prioritäten, gerade in einer Zeit knapper werdender Finanzen.
Man kann in einer Kirche heimisch werden, sich zuhause fühlen man kann "meine Kirche" sagen.
Dazu muss man sie kennen und lieben.
Ein kleiner Hinweis:
Pastor Steffen weist auf den Namensgeber unserer Kirche hin, den Apostel Paulus und nennt die Bibelstellen, die damals bei der Gestaltung des Kirchenbaus und bei der Einweihung eine Rolle spielten.
Es gibt aber noch eine sehr wichtige Stelle aus den Briefen des Apostels: es lohnt sich, im 1. Korintherbrief das 12. Kapitel zu lesen und darüber nachzudenken, was Paulus uns Christen und unserer Gemeinde sagt, aber auch all den Menschen, die mit uns leben.

